Bericht über die geschichtliche Entwicklung des Vereins.

Am 1. August 1958 kann die Kremper Liedertafel – Lied hoch von 1843/1901 Krempe auf ihr 115 jähriges Bestehen zurückblicken.

Die Kremper Liedertafel wurde im Jahre 1843 gegründet. „Aus Lust am vierstimmigen Männergesang, die sich allerorts regt“, so heißt es wörtlich in dem noch vorliegenden Gründungsprotokoll, haben sich damals sangesfreudige Bürger unserer über 700 Jahre alten, gut 2000 Einwohner zählenden Marschenstadt und früheren Festung Krempe, in Schleswig-Holstein, zusammengefunden und haben die Kremper Liedertafel gegründet.

Ihr Aufruf an die sangesfreudigen Bürger unserer Stadt und ihrer näheren Umgebung fand guten Widerhall. Schon im Jahre 1844 zählte der Verein 33 aktive und ebenso viele (sociale) passive Mitglieder. Der Verein setzte sich zur damaligen Zeit ausschließlich aus Bürgersleuten der Stadt und ihrer näheren Umgebung zusammen. So finden wir in den Mitgliederlisten außer den Handwerksberufen wie Tischler, Schmied, Maurer, Bäcker, Schlachter u.ä. folgende Berufsbezeichnungen vor: Candidat, Advocat, Deputierter, Senator, Tierarzt, Doctor, Kirchspielsvogt. Auch der Bürgermeister und der Pastor zählten mit zu den Mitgliedern des Vereins.

 

Die Satzung, die sich der Verein zur damaligen Zeit gab, zeugt davon, wie ernst es die Mitglieder mit dem Gesang nahmen. Unpünktliches Erscheinen an den Singabenden, sowie unentschuldigtes Fehlen, wurde mit einer merklichen Geldbuße geahndet.

Wie aus den Protokollen hervorgeht, wurde regelmäßig und intensiv geübt. Die Tätigkeit des Vereins war sehr rege.

Örtliche Festlichkeiten wurden mit Gesang umrahmt. Sängerfeste wurden abgehalten und an Sängerfesten wurde teilgenommen. So 1859 in Kellinghusen, 1861 in Horst und 1862 in Rendsburg.

Das Bestreben, sich zu einer größeren Einheit zusammenzuschließen, wurde auch in Krempe wach. Laut Protokoll vom 7. Juni 1862 beschloss die Kremper Liedertafel dem Norddeutschen Sängerbund beizutreten.

Die Jahrhundertwende, mit ihren zunehmenden Industriealisierung, ließ auch in den anderen Bevölkerungsschichten den Wunsch aufkommen, mit teilzuhaben an der deutschen Sangeskultur.

So wurde im März 1901 der Männergesangverein Lied hoch und im Jahre 1903 der Männerchor Lyra gegründet.

Der Männergesangverein Lied hoch, der im September 1933 mit der Kremper Liedertafel vereinigt wurde, setzte sich aus Mitgliedern aller Bevölkerungskreise zusammen. Der zwei Jahre später gegründete Männerchor Lyra war ein Werkchor der Kremper Lederwerke. Die Lyra hatte nur kurze Lebensdauer und löste sich mit Beginn des ersten Weltkrieges auf.

Außer diesen beiden Chören wurde im Jahre 1920 ein gemischter Chor, unter der Leitung des Herrn Rektor Wamser, ins Leben gerufen. Dieser Chor sang im Wesentlichen nur geistliche Lieder und galt als Kirchenchor. Der Kirchenchor hat sich mit einem geringen Mitgliederstand bis auf den heutigen Tag erhalten.

Die Entwicklung der Kremper Liedertafel war nicht nur vom Erfolg gekrönt. Krisenzeiten kamen und gingen.

Der erste Weltkrieg rief die Sänger zu den Fahnen und während dieser Zeit ruhte das Vereinsleben. Erst nach dem Krieg fanden sich die alten treuen Mitglieder des Vereins wieder zusammen. Die Sänger und die Bevölkerung in allen deutschen Landen erfreuten sich wieder am deutschen Gesang. So war es auch in unserer kleinen Stadt Krempe.

Die Tätigkeit des Vereins nahm wieder zu. Die Mitgliederzahl stieg. Auf vielen örtlichen Veranstaltungen hörte man wieder unseren Chor singen.

Unter der bewährten Leitung unseres Chormeisters Gustav Hartz, der im nächsten Jahr auf seine 50 jährige Tätigkeit als Chorleiter zurückblicken kann, brachte unser Chor auf vielen Sängerfesten seine Lieder und Chorwerke zu Gehöhr.

Auch auf Sängerfesten auf Landes- und Bundesebene war unsere alte Fahne vertreten. So

1928 auf dem 10. Deutschen Sängerbundesfest in Wien,

1935 auf dem Nordmarksängerfest in Kiel,

1951 auf dem 13. Deutschen Sängerbundesfest in Mainz,

1956 auf dem 14. Deutschen Sängerbundesfest in Stuttgart.

Durch die Vereinheitlichungsbestrebungen des nationalsozialistischen Reiches wurden die beiden am Orte bestehenden Männergesangvereine zum Zusammenschluss gezwungen. Im September 1933 wurde die Kremper Liedertafel mit dem Männergesangverein Lied hoch vereinigt. Seit diesem Zeitpunkt führt der Verein den Namen:

Kremper Liedertafel – Lied hoch von 1843/1901

Die nachteiligen Auswirkungen durch den Zusammenschluss hatte der Verein nicht sobald überwunden. Eine große Anzahl der früheren Mitglieder blieb dem Verein fern. Die Mitgliederzahl sank auf 23 Sänger. Hinzu kam, dass die Sänger sich durch den Einfluss, den die nationalsozialistische Bewegung auf die Vereine ausübte, unfrei fühlten.

Immer mehr sah man in der zunehmenden Unruhe in der Welt und der steigenden Aufrüstung und Mobilisierung in unserem Vaterlande die Gefahr eines kommenden Krieges.

Durch die ständige Abnahme der Beteiligung am Gesang sah sich der Verein genötigt, im November 1938 seine Tätigkeit einzustellen.

Am 1. September 1939 brach der zweite Welzkrieg aus. Fast sieben Jahre ruhte das Vereinsleben.

Und wieder waren es die alten Getreuen, die am 7. März 1946 die Tätigkeit des Vereins wieder ins Leben riefen. Die nachfolgenden Jahre waren wieder vom Erfolg gekrönt. Zur Freude der Sänger und der Bevölkerung brachte unser Chor, unter der Leitung unseres bewährten Chormeisters Gustav Hartz, seine Lieder und Chorwerke zu Gehöhr.

Am 1. und 2. August 1953 feierten wir unter Beteiligung von 18 Vereinen unser 110 jähriges Bestehen. Manch frohe Stunden wurden verlebt, aber leider mussten wir auch manchen treuen Kameraden zu Grabe tragen. Unser ältester und treuester Sangesbruder Heinrich Baer ging am 26. Februar von uns. Er starb im Alter von 87 Jahren. 62 Jahre war er aktiver Sänger unserer Stadt. Bis kurz vor seinem Ableben ließ er es sich nicht nehmen, noch ständig aktiv am Gesang teilzunehmen. Seine vorbildliche Treue und Aktivität lassen uns sein Scheiden besonders schwer werden.

So hat sich die Kremper Liedertafel – Lied hoch bis auf den heutigen Tag gehalten. Mancher Erfolg war zu verbuchen und manche Krise wurde überwunden. Unsere treue Schar zählte 1957 am Jahresschluss 33 aktive Mitglieder. Davon 4 Ehrenmitglieder und 10 Mitglieder, die schon über 25 Jahre dem Verein aktiv die treue hielten. Der Verein wird von unserem Sangesbruder Kaufmann Albert Marten, Krempe geführt, der am 16. Februar 1959 auf seine 10 jährige Tätigkeit als Vorsitzender zurückblicken kann. Der Verein gehört dem Sängerbund Schleswig-Holstein, Mitglied des Deutschen Sängerbundes, an.

115 Jahre unseres Vereinsleben liegen bald hinter uns. Über alle Wirren der Zeit hat sich der Verein erhalten.

Wir werden auch in der jetzigen Zeit, wo der Sinn für unsere alten schönen deutschen Lieder und Chorwerke zu schwinden droht und die sakrale Musik vorherrschend ist, nicht müde werden dafür zu sorgen, dass unsere deutsche Sangeskultur erhalten bleibt.

Albert Marten